Familienrecht

Das Testament: Damit Ihr Geld die erreicht, die es verdienen

Zu wenige Menschen haben Ihre Wünsche bezüglich der Erbfolge in einem Testament oder Erbvertrag festgehalten. In Deutschland werden in den nächsten zehn Jahren Vermögenswerte in Höhe von insgesamt rund 2,6 Billionen Euro vererbt. Oft macht man sich erst nach dem Tod eines Angehörigen oder Freundes Gedanken über die eigene Nachlassregelung. Für die bestmögliche Erbregelung ist es wichtig, den Erbfall frühzeitig und sorgfältig vorzubereiten. Denn nur so können die eigenen Vorstellungen bestmöglich umgesetzt werden. Das Erbrecht gibt zwingend einzuhaltende Formvorschriften vor. Andererseits eröffnet es vielschichtige Gestaltungsmöglichkeiten. Deshalb sollte im Falle der Formulierung des letzten Willens die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch genommen werden. Nur ein auf dieses Rechtsgebiet spezialisierte Rechtsanwalt ist in der Lage, Ihre individuellen Interessen rechtssicher umzusetzen. Rechtsanwältin Steigert ist erfolgreiche Absolventin des Fachlehrgangs für Erbrecht. Sie berät Sie gerne über eine sinnvolle Gestaltung der Nachlassplanung und unterstützt Erblasser oder Erben bei der Testamentsvollstreckung.

Nachlassplanung

Die gesetzlich vorgegebene Erbfolge entspricht oftmals nicht dem, was die Erblasser sich wünschen. Statistisch gesehen ist ein Großteil der selbst verfassten Testamente ungenau oder gar widersprüchlich und damit unwirksam. So sind in vielen Fällen Streitigkeiten unter den Angehörigen des Erblassers vorprogrammiert. Das Erbrecht räumt insbesondere den Kindern und Ehepartnern des Erblassers eine sehr starke Stellung ein. Wenn das Vermögen an andere Personen übertragen werden soll, ist unbedingt die Errichtung eines Testaments oder eines Erbvertrags notwendig. Beim Fehlen gesetzlicher Erben sowie einer ausbleibenden Regelung durch ein Testament fällt das Vermögen an den Staat. Die frühzeitige und sorgfältige Regelung des Erbfalls ist angesichts des für den Laien schwer durchschaubaren Erbschaftssteuerrechts von großer Bedeutung. Der Erblasser kann die Höhe der Erbschaftssteuer durch die Gestaltung der Rechtsnachfolge stark beeinflussen. Ehegatten und Kinder werden vom Gesetzgeber mit Freibeträgen begünstigt. Zugleich werden jedoch große Vermögenswerte einer höheren Erbschaftssteuer unterworfen. Ein Anwalt kann Ihnen helfen richtig zu steuern, dass der Staat so wenig wie möglich von Ihrem Nachlass erhält. Bei Unternehmern ist darauf zu achten, dass vorhandene Unternehmen einerseits erhalten bleiben und andererseits Ehegatte und Kinder das ihnen zustehende erhalten. Hierbei spricht man vom sogenannten Unternehmertestament. Speziell in diesem Fall sollten auch steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten in die Überlegungen mit einbezogen werden. Eine gewissenhafte Nachlassplanung unter Zuhilfenahme eines Anwalts macht Sinn. Ein Rechtsanwalt hilft Ihnen, dass Sie nicht übersehen, was im Erbfall dringend geregelt werden muss. Aufgrund der außerordentlich komplizierten Rechtslage im Erbrecht kann nur davon abgeraten werden, ohne Beratung durch einen Rechtsanwalt ein Testament zu verfassen.

Pflichtteil und Enterben

Kinder und Ehegatte des Erblassers haben Anspruch auf einen Pflichtteil. Unter Umständen gilt dies auch für dessen Eltern oder Enkel. Dies gilt beispielsweise dann, wenn sie nicht im Testament bedacht, also enterbt worden sind. Der Anspruch auf einen Pflichtteil ist ein Geldanspruch gegenüber den Erben. Es besteht kein Anspruch auf Überlassung von Sachwerten aus dem Erbe. Es kann daher vorkommen, dass die Erben gezwungen sind, Sachwerte aus dem Nachlass zu veräußern, um die Mittel für die Bezahlung der Pflichtteilsansprüche anderer aufzubringen. In der Praxis ist es oft nicht einfach, die Höhe des Pflichtteils und seinen Wert zu ermitteln. Darüber hinaus können die Pflichtteilsberechtigten einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch gegen die Erben oder Dritte haben. Dies bedeutet, dass für die Berechnung des Pflichtteils Schenkungen des Erblassers herangezogen werden, die dieser in den letzten 10 Jahren vor seinem Tod gemacht hat. Schenkungen des Erblassers an seinen Ehepartner werden sogar ohne zeitliche Beschränkung berücksichtigt. Grundsätzlich hat die Ausschlagung einer Erbschaft auch den Wegfall des Pflichtteilanspruchs zur Folge. In wenigen, gesetzlich geregelten Ausnahmefällen kann es für einen eingesetzten Erben aus wirtschaftlicher Sicht allerdings sinnvoller sein, das Erbe auszuschlagen und den Pflichtteil zu verlangen. In einem solchen Fall sollte man vor der Ausschlagung dringend die Beratung eines Anwalts in Anspruch nehmen.

Annahme und Ausschlagung der Erbschaft

Der Erbe hat die Möglichkeit, das Erbe innerhalb von 6 Wochen nach dem Erbfall auszuschlagen. Tut er dies nicht, bleibt er unwiderruflich Erbe. Ist das Erbe mit Schulden belastet, kann dies ausgesprochen nachteilig sein. Der Erbe haftet in diesem Fall unter Umständen mit seinem gesamten Vermögen für die Schulden des Nachlasses. Es gibt diverse Möglichkeiten, die Haftung des Erben mit seinem eigenen Vermögen zu verhindern. Beispielsweise kann dies durch Beantragung einer sogenannten Nachlassinsolvenz, dem Gläubigeraufgebot oder der Erhebung von Einreden bei einer gerichtlichen Inanspruchnahme des Erben durch einen Nachlassgläubiger erreicht werden.

Erbengemeinschaft

Mehrere Erben bilden zusammen eine Erbengemeinschaft. Dies bedeutet, dass die Erben in Bezug auf den gesamten Nachlass nur gemeinschaftlich handeln können. Erbengemeinschaften müssen grundsätzlich auseinandergesetzt werden. Dies bedeutet, dass Einigkeit über die gerechte Verteilung des Nachlasses unter den Erben erzielt werden muss. Bis dahin muss der Nachlass einvernehmlich verwaltet werden. Innerhalb der Gemeinschaft der Miterben kommt es oft zu langwierigen Abstimmungs- und Verhandlungsprozessen.  Dies kann häufig zu Streitigkeiten führen. Konflikte ergeben sich zudem oft zwischen Erbenmeinschaft und Testamentsvollstrecker. Es empfiehlt sich dringend, den Rat durch einen Rechtsanwalt einzuholen, wenn man zum Mitglied einer solchen Erbengemeinschaft wird. Gerne beraten wir Sie bei während der Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft oder bei Unstimmigkeiten mit dem Testamentsvollstrecker.

Erbschein

Derjenige, der einen Erbschein hat, kann über das Vermögen des Verstorbenen sehr weitgehend verfügen. Dies kann zum Problem werden, wenn diese Person bereits auf das Vermögen des Erblassers zugegriffen hat und sich später herausstellt, dass tatsächlich jemand anderer Erbe geworden ist. Bei der Beantragung eines Erbscheins können bei Inanspruchnahme eines anwaltlicher Hilfe die geeignete Lösung finden und hierbei Kosten sparen. Der Erbschein hat nur im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland Bedeutung. Ab dem 17. August 2015 wird ein europäisches Nachlasszeugnis eingeführt, mit welchem sich Erben auch in einem anderen EU-Mitgliedsstaat auf ihre Rechtsstellung berufen können.

Die nicht eheliche Lebensgemeinschaft im Erbrecht

Wenn Sie in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft leben, müssen Sie bedenken, dass Ihr Lebenspartner nicht zum Kreis der gesetzlichen Erben gehört. Er oder sie geht im Falle Ihres Todes leer aus. Wichtig ist es daher, dass nicht verheiratete oder nicht verpartnerte Paare rechtzeitig an die Nachlassplanung denken. Bedacht werden muss insbesondere, dass die Steuerfreibeträge in diesem Fall wesentlich geringer sind als bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnerschaften.

Beerdigungskosten

Der oder die Erben haben nach den zivilrechtlichen Regelungen die Kosten einer standesgemäßen Beerdigung zu tragen. Besonderes Augenmerk ist allerdings auf das Bestattungsgesetz des Landes zu legen zu legen, in welchem der Erblasser beerdigt werden soll. Nach § 31 I BestattG Baden-Württemberg müssen “die Angehörigen” die Kosten der Bestattung tragen. Die landesrechtlichen Regelungen tragen der Tatsache Rechnung, dass eine Bestattung innerhalb von 96 Stunden nach dem Versterben des Erblassers erfolgen muss. Innerhalb dieser Zeit kann die Erbenstellung häufig nicht geklärt werden. Die öffentlich-rechtlichen Vorschriften gehen der zivilrechtlichen Regelung aber nur scheinbar vor: der zur Bestattung Verpflichtete kann vom Erben oder vom Sozialhilfeträger die Erstattung der Kosten verlangen. Dies gilt nur dann nicht, wenn dem zur Bestattung Verpflichteten ausnahmsweise zugemutet werden kann, die Kosten der Beerdigung zu tragen.

Testamensvollstreckung

Viele Menschen, die ihre Vermögensnachfolge nach dem Tod regeln wollen, befürchten, dass die Erben und Bedingungen des Testaments nicht erfüllen werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen. Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann auch dem Schutz des Vermögens minderjähriger Erben dienen. Es gibt zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten der Testamentsvollstreckung, die den jeweiligen Interessen des Erblassers gerecht werden können. Dies kann zum Beispiel bei vorheriger Trennung oder Ehescheidung des Erblassers zum Tragen kommen. Der Testamentsvollstrecker überwacht die Durchführung aller Verfügungen, die in dem Testament oder dem Erbvertrag getroffen wurden. Ein Testamentsvollstrecker sollte eine unabhängige Person, z.B. ein Rechtsanwalt, sein. Gerne informieren wir Sie über die Gestaltungsmöglichkeiten und die Kosten einer Testamentsvollstreckung.